Tango und Therapie: Wie passt das zusammen?

"Tango es una terapia que hace liberar el alma."  Ricardo Vidort      "Der Tango ist eine Therapie, die die Seele befreit."


Tango findet seinen Ursprung Ende des 19. Jahrhunderts am Rio de la Plata, gelegen zwischen Argentinien und Uruguay. Er definiert sich als Musikstil und als Paartanz, welcher von den Klängen des Bandoneons, der Violine, des Kontrabasses und des Klaviers geprägt wird. Der Tango besteht aus improvisierten Figurkombinationen, getanzt in enger Umarmung ("el abrazo"), die eine abwechslungsreiche und intensive nonverbale Kommunikation im Paar anregt. In einer sicheren und sensiblen Tanzhaltung kann das Paar, in einer verschmolzenen Einheit, durch die Umarmung Stabilität und Gelassenheit in den Oberkörpern und Freiheit für die improvisierten Beinbewegungen und Verzierungen des Unterkörpers schaffen. Mit Führungssicherheit bestimmt der Führende die Richtung und das Tempo und übermittelt der Folgenden durch subtile Körpersprache kreative Bewegungskombinationen, die die Folgende mit Verzierungen ausfüllt.

 


Gesundheitlichen Aspekte des Tango

Immer mehr Wissenschaftler untersuchen die heilsame Wirkung des Tangos.
Erste Ergebnisse veröffentlichte 2007 ein Forscherteam um Madeleine Hackney von der Washington University in St. Louis. Sie konnten in mehreren Studien nachweisen, dass Tango die Mobilität von Parkinsonkranken deutlich verbessert. Die Patienten mit Tango Stunden schnitten gegenüber den Patienten ohne Tango Stunden dort besser ab, wo Geschwindigkeit und Balance gemessen wurden. Demnach stimuliert Tango das Gehirn: Die Patienten lernen wieder die Kontrolle über ihre Bewegungen zu bekommen, wenn sie beim Tanzen sich dem Rhythmus der Musik und gleichzeitig den Bewegungen des Tanzpartners anpassen und dabei komplexe Bewegungsabläufe ausführen. Beim Training üben die Patienten spielerisch, auf die Reize improvisierter Schritte und Bewegungen zu reagieren. Diese Bewegungskontrolle lässt sich gut in den Alltag der Patienten adaptieren (Hackney, Kantorovich & Earhart, 2007).

Dass Tango einen großen Einfluss auf den Hormonhaushalt und somit auf die Psyche hat, fand das Forscherteam um die kolumbianische Psychologin Cynthia Quiroga Murcia an der Universität Frankfurt heraus. Ziel der Untersuchung war es, die Wirksamkeit des Tanzens auf den emotionalen Zustand und zwei psychobiologische Parameter, Cortisol und Testosteron, zu prüfen.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass Tango Tanzen positive psychobiologische Reaktionen hervorruft und die Präsenz von Partner und Musik notwendig erscheint. Es konnte beobachtet werden, dass die Kombination von Körperbewegung mit einem Partner und Musik, im Vergleich zum Bewegen ohne Partner und Musik, zu positiver Affektveränderung führt. Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass die Erhöhung der Testosteronkonzentration mit dem Tanzen und einem Partner verknüpft werden kann, im Gegensatz zum Solotanzen, während die Cortisolabsenkung nach dem Tango Tanzen durch die Musik aufgetreten ist, aber nicht beim Tanzen ohne Musik (Quiroga Murcia, Kreutz, Clift & Bongard, 2010).

 


Entstehung der Tango-Therapie

Tango ist ein Paartanz und Kommunikation seine Essenz. Über das Prinzip „Führen und Folgen“ wird die jeweils nächste Bewegung angekündigt, die in der Folge dann gemeinsam ausgeführt wird. Dieses Zusammenspiel kann unglaublich fein und beinahe synchron erfolgen und tiefste Glücksgefühle hervorrufen.

Durch die lebendige Nähe (Brust an Brust, Gesicht an Gesicht, Arm in Arm) regt Tango eine intensive Kommunikation der Tänzer an. Der Tanz hilft, Kontakt aufzunehmen, die Körperhaltung verändert sich, Vertrauen und ein hohes Maß an Sensibilität werden gefördert und gefordert. Ein Gefühl von Stolz und Kompetenz wächst.

Diese Beobachtungen machen sich z. Bsp. Paartherapeuten zu Nutze, um bei Beziehungsproblemen zu helfen oder gar soziale Phobien zu lindern. Bereits 2009 führte das psychiatrische Krankenhaus in Buenos Aires den Tango als ergänzende Therapieform ein, um an Schizophrenie oder an einer Psychose leidenden Menschen zu helfen. Auch Patienten mit neurologischen Bewegungsstörungen wie Morbus Parkinson, Alsheimer und Demenz oder Muskel-Faser-Schmerzen (Fibromyalgie) profitieren von dem Tanz.

 

Die Essenz dieses Tanzes besteht darin, dass verschiedene Komponenten zusammenkommen (Musik, körperliche Bewegung und soziale Interaktionen), die jeweils einen besonderen Beitrag zur Gesundheit und dem Wohlergehen haben. Die wissenschaftlichen Ergebnisse bestätigen, dass Tango Tanzen das Wohlbefinden UND die Gesundheit fördert, und was die Antike längst schulte „Ich lobe den Tanz, der alles fordert und fördert…“.